Der Belgier Thierry Knauff liefert mit Wild Blue das Protokoll eines vor Gewalttätigkeit strotzenden Planeten. Knauff, Schöpfer von von Filmen wie "Seuls", "Anton Webern" oder "Baka", verfasst ein 68minütiges Gedicht, in dem sich Bilder und Töne alchemistisch in einer die Schrecken des abgelaufenen Jahrhunderts reflektierenden Betrachtung mischen und eine Musik erschaffen, die alle Sinne überwältigt. Schwarz und weiß ist der Film, wie das 20. Jahrhundert.
Bilder aus der ganzen Welt. Sätze in allen Sprachen, die ruhig und gelassen eines aussprechen: "So kann man nicht mehr leben." Spuren von Leichenbergen, von falschen Heckenschützen, die für die Medien posieren und die Information zerstören, die sie banalisieren; unverwüstliche Nazi-Flaktürme im heutigen Wien; namenlose Kinder beim Spiel, von denen man nicht weiß, ob sie glücklich sind oder nicht, die jedoch alle, eines Tages, unter dem Verlust der großen Bäume leiden werden, die allerorts gefällt werden, obwohl sie uns das Atmen ermöglichen.
Knauff filmt den Riss in einer Mauer, die Trommel eines schwarzen Tänzers, eine leise vor sich hin summende Frau; unermüdlich wiederholt er, dass ein Lügner nur zu warten braucht, um uns zu überzeugen, dass die Schrecken der Vergangenheit nie existiert hätten. Knauffs Absicht wird klar und verständlich, sie ergreift von uns Besitz wie ein Blues, der an die Seele rührt. Ein Film, der auch ein wenig auf Licht hoffen lässt, weil er daran erinnert, dass es auch dem stolzesten und grausamsten Häscher nie gelungen ist, die Sonne einzufangen.
(Luc Honorez, Le Soir) aus dem Französischen übersetzt und gekürzt
Buch und Regie: Thierry Knauff
Kamera: Antoine-Marie Meert
Ton: Bruno Tarrière
Schnitt: Thierry Knauff, Michèle Hubinon, Luc Plantier
Produktion: Thierry Knauff, Les Productions du Sablier (B)
In Koproduktion mit Artline Films (F), La Sept/Arte (F), la RTBF-Carre Noir (B), Navigator Film (A), Man's Films (B)
Vertrieb: Les Productions du Sablier (B)
Kontakt in Ö: Navigator Film
2001: Rotterdam (NL), Teheran (Iran), Belfast (IR), Breda (NL), International Film Festival of San Francisco (USA), Brasilia, Amnesty International Amsterdam (NL), Diagonale/ Graz (A)
2000:
Cannes (F), Edinburgh (GB), Jerusalem (Israel), Toronto (Canada), Gent (B), Angers (F), Tübingen (D), Brüssel (B), Namur (B)
Uraufführung: Cannes 2000 "Un Certain Regard"
Prix CICT Cannes 2000, New Vision Golden Gate Award 2001, International Film Festival San Francisco